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Sind Güter denn auch gut?

Etwas länger als einen Monat ist mein letzter Blogeintrag nun schon her. Zwar hab ich im Moment noch Semesterferien, allerdings hab ich zwischendurch noch ein Praktikum gemacht, sodass ich nicht die Zeit hatte hier noch einen lesbaren Text zu schreiben. Dafür kann ich mir nun aber die Zeit nehmen.

Nunja, ein vielfach diskutiertes Thema in Lüchow-Dannenberg ist die angedachte Bahntrasse für den Schienenverkehr durch den Nordkreis. Dem Thema will ich mich heute mal näher widmen. Für die, die noch nicht mitbekommen haben, worum es geht, hier eine kurze Zusammenfassung.


Seit Anfang diesen Jahres ist in der Diskussion, ob in Wittenberge ein neuer Knotenpunkt für Güterverkehr entstehen soll, um den Güterabtransport aus den beiden Nordseehäfen über die beiden Knotenpunkte Hamburg-Harburg und Bremen zu verringern. Weiterhin soll in dem Ort in der brandenburgischen Prignitz ein neuer Rangierbahnhof gebaut werden, um die bereits existierenden in Maschen und Lehrte zu entlasten. Die dorthin entstehende Bahnstrecke soll über Buchholz – Lüneburg – Hitzacker – Dannenberg – Dömitz führen.

Das führt natürlich erstmal zu Verwunderung. Was? Wie? Güterverkehr durch Lüchow-Dannenberg?

Quelle: merkur-online.de

Zwar wurde diese Nachricht von vielen Wendländern, sofern sie diese überhaupt ernst nahmen, überwiegend positiv aufgenommen. Jedoch rief sie auch viele Kritiker auf den Plan. Unabhängig davon wie wahrscheinlich das Ganze ist, sollte man es wohl erstmal objektiv betrachten und sich die Vor- und Nachteile anschauen.

Natürlich würde eine solche neue Bahntrasse infrastrukturell gesehen dem Landkreis erhebliche Vorteile bringen.

  • Neue Unternehmen, welche den Güterverkehr auf der Schiene dann nutzen könnten, würden sich ansiedeln.
  • Der Güterverkehr auf der Straße würde abnehmen.
  • Der Personenverkehr würde ebenfalls ausgebaut werden (z.B. zweigleisiger Ausbau der Strecke Lüneburg-Dannenberg) und es wäre wieder möglich, vom Wendland aus mit der Bahn nach Berlin zu reisen.

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Genauso gibt es aber diverse Gründe, die gegen den ganzen Spaß sprechen.

  • Die als Horrorszenario progonstizierten 220 Güterzüge lassen das ruhige Leben im Wendland deutlich schwerer erscheinen.
  • Es gibt schon bestehende Strecken, die kürzer sind und auch nicht so aufwendig ausgebaut werden müssten.
  • Diverse Naturschutzgebiete würden von der Trasse durchquert werden.
  • Die Dömitzer Eisenbahnbrücke müsste zunächst wieder instandgesetzt werden.

Warum also sollte man das Projekt befürworten? Zumal die genannten Nachteile die Frage aufwerfen, wie wahrscheinlich es ist, dass diese Trasse überhaupt realisiert wird.

Natürlich wäre es wünschenswert, wenn der Landkreis wieder eine bessere Verkehrsanbindung hätte, dementsprechend die LKWs von der Straße vertrieben und die Güter auf der Schiene transportiert werden. Doch wieviele Unternehmen würden das in Anspruch nehmen? Beispielsweise die vielen Laster, die durchs Wendland brettern, nur um die Autobahnmaut zu sparen, würden dies wohl auch auch weiterhin tun. Und auch nicht jede Ladung, die per LKW transportiert wird, kann automatisch auch auf dem Güterzug von A nach B gebracht werden.

Auch Anwohner, die Eigenheim an der Strecke besitzen, fürchten nun um Ihre Häuser. Wenn der Trassen(alp?)traum Realität werden sollte, hat man nicht nur den Krach vor der Haustür – die Gebäude würden demzufolge auch an Wert verlieren. Jedoch müsste man unabhängig von der Güterstrecken-Diskussion wohl auch weiterdenken und damit rechnen, dass dort, wo mal eine Bahnstrecke war, vielleicht auch irgendwann mal wieder eine sein wird. Gar nicht mal eine Güterstrecke mit erschreckenden 220 Zügen pro Tag (diese Zahl sei mal so dahingestellt), sondern vor allem Personenverkehr. Diesem ist vermutlich keiner so richtig abgeneigt, aber vor der Haustür will das natürlich keiner haben. In so einer Situation ist es aber enorm wichtig, miteinander zu sprechen und nicht sofort abzublocken nach dem Motto „Nö, find ich scheiße!“ Denn es wäre nicht das erste Mal, dass eine Trassenführung zugunsten der Anwohner geändert wird.

Quelle: taz.de

Ein weiteres Argument gegen die Trasse bringt die Bürgerinitiative (BI) Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V. hervor. Gorleben als Standort für ein Atommüll-Endager wäre bei Durchsetzung des Gütertrassen-Plans bestens angebunden und somit komischerweise perfekt geeignet für so ein Endlager. Es wäre bis zum Verladekran in Dannenberg optimal an den Hamburger Hafen angebunden und auch Transporte aus dem Zwischenlager in Lubmin (bei Greifswald) wären über Wittenberge und Dannenberg problemlos möglich. Demonstranten könnten bei künftigen Castor-Transporten deutlich besser von den Gleisen ferngehalten werden, da auf der Güterstrecke ja Lärmschutzwände errichtet werden müssen. Somit müssen auch nicht so viele Polizisten die Gleise bewachen. Das spart Personalkosten! Spitze, oder?

Diese Ersparnisse können für die Sanierung der Eisenbahnbrücke bei Dömitz genutzt werden. Denn diese wäre mitunter einer der größten Kostenpunkte des ganzen Spektakels. Da sie eh unter Denkmalschutz steht, stellt sich die Ertüchtigung noch einmal schwieriger dar, zumal sie definitiv nicht mehr den heutigen Standards entsprechen dürfte (zumindest der Teil, der noch steht).

Ich seh das Ganze als gar nicht mal so realistisch an. Bevor eine Gütertrasse durch Lüchow-Dannenberg führt, würde schon im Voraus im Planungsverfahren Schluss sein. Denn nicht nur das Wendland wäre negativ betroffen. Auch die Nordheide um Buchholz und Jesteburg ist strikt gegen diese Trasse. Also nehmen wir mal an, der Plan sollte Wirklichkeit werden, würde die Trasse an sämtlichen Klagen von Anwohnern scheitern.

Quelle: drehscheibe-online.de

Meiner Meinung nach, ist es an sich natürlich eine gute Idee Güterverkehr auf die Schiene zu bringen. Aber zu welchem Preis? Man sieht an der Diskussion über die sogenannte Y-Trasse, dass zum Teil drastische Einschnitte in die Natur nötig sind. Darüber hinaus würden (wie bei allen Großprojekten in Deutschland) die Kosten explodieren.

Komplett abgeneigt gegenüber diesem Projekt bin ich nicht, aber es sollte ein nachvollziehbares, nachhaltiges und finanzierbares Konzept bestehen. Und bis das alles dann geplant und gebaut ist, wird es das Wendland in der heutigen Form wohl eh nicht mehr geben (Ja, das Thema Kreisfusion wird uns ewig beschäftigen!).


Nun interessiert mich aber auch eure Meinung!


Titelbild: metropolregion.hamburg.de

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