Wir halten zusammen – mal wieder!

Auch mein Blog brauchte mal eine Sommerpause hab ich beschlossen. Die ist nun vorbei und ich werde mich bemühen auch mal wieder öfters hier was zu schreiben.


In diesen Tagen gibt es ja kaum ein anderes Thema als die sogenannte Flüchtlingskrise. Mehr und mehr Menschen fliehen aus ihren Heimatländern u.a. nach Deutschland. Und die Diskussion über die Regelung dieser großen Zuwanderung reißt nicht ab. Viele Regionen Deutschlands haben es immer schwerer dies zu bewältigen. Doch wie auch in anderen Situationen sticht das Wendland da wieder heraus.

Keine Frage, ich will nicht sagen, dass hier alles tiptop perfekt läuft. Aber: es ist mal wieder erstaunlich, wie schnell Helfer zusammen kamen, um Unterstützung zu leisten! Es ist egal, ob es um Castor-Transporte, Hochwasser oder eben den Zustrom an Flüchtlingen geht. Wenn es ein Problem gibt, wird schnell in der Gemeinschaft eine Lösung gefunden. Man merkt immer wieder, dass da auch die sozialen Netzwerke eine Rolle spielen. Auf Facebook hat sich z.B. eine Gruppe gebildet, in der verschiedene Dinge schnell geklärt werden, beispielweise ob noch irgendwo was an Kleidung gebraucht wird oder ob in den einzelnen Erstaufnahmelagern noch Helfer gebraucht werden.

Wo wir auch beim Thema wären. Die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer leisten einfach Großartiges. Die Meisten gehen acht Stunden am Tag arbeiten und opfern danach noch ihre Freizeit, um in den hiesigen Erstaufnahmelagern in Dannenberg, Lüchow und Woltersdorf den Johannitern und DRK unter die Arme zu greifen.  Ich selbst war (leider nur) einen Tag auch in Dannenberg vor Ort und habe geholfen, Kleider zu sortieren, die daraufhin an die Flüchtlinge verteilt wurden. Ich hätte gern noch länger geholfen, leider war es mir zeitlich nicht möglich. Aber an diesem einen Tag hatte ich einen sehr guten Eindruck wie gut durchorganisiert das Ganze ist!

An dieser Stelle ein dickes DANKESCHÖN an alle Helfer!

So, und da zu dem Thema sowieso schon jeder Hans und Franz seine Meinung kundgetan hat, werde ich nun auch mal meinen Senf dazu abgeben.

Leute, wie die Anhänger von PEGIDA, diese typischen „Ich bin ja kein Nazi, aber“-Leute sind einfach nur traurig. Diese Leute sind nicht besorgt, sie sind einfach nur dumm. Natürlich darf man in dieser Zeit auch seine Sorgen bekunden, aber doch bitte in einer humanen Weise. Diese Menschen, die rumheulen, dass die Flüchtlinge ja ach so viel Geld kriegen und die Deutschen Bürger mal wieder nichts abbekommen… Das klingt für mich dann immer wie ein kleines Kind, dass sauer ist, weil ein anderes Kind ein tolles Spielzeug bekommen hat und er nicht.

Was das Kind und der „besorgte Bürger“ noch gemeinsam haben: sie informieren sich nicht. Sie haben irgendwo irgendwelche Daten aufgeschnappt, die sie dann auch gleich weiterverbreiten. Dem Kind verzeih ich das aber noch eher als dem sogenannten „besorgten Bürger“.

Also, wenn ihr jetzt ein schlechtes Gewissen habt, schaut regelmäßig auf der Internetseite des Landkreises zu diesem Thema vorbei und tretet in die Wendland-Humanity-Facebook-Gruppe ein!

Das wars für dieses Mal. Tschüßli, Müsli!


 

Titelbild: wendland-net.de

Advertisements

Braucht eine Gemeinde Marketing?

Am letzten Freitag wurden mir meine Weisheitszähne gezogen und nun bin ich krankgeschrieben. Deswegen hab ich im Moment soviel Langeweile, dass ich mich dem nächsten versprochenen Blogeintrag widme. Heute mit dem Thema Marketing.


Vor meinem Studium habe ich bereits eine Ausbildung in der Kommunalverwaltung gemacht. Und in einem unserer Lehrgänge stellte uns der BWL-Dozent die Frage, ob Gemeinden und Städte überhaupt Marketing brauchen? Schließlich müssen sie ja kein Produkt bewerben, wie Unternehmen. Sie haben ja genug Einnahmen durch Steuern usw. durch ihre Einwohner.

Nein! Eben nicht. Vielleicht reichen manchen Kommunen die Einnahmen, die sie durch Steuern, Bußgelder und Ähnlichem erzielen. Aber wäre es nicht eine verrückte Idee durch Marketing den Tourismus anzukurbeln und vielleicht sogar mehr Einwohner zu bekommen?

Ja, das haben einige Städte und Gemeinden schon bemerkt. Auch im Wendland ist dies schon weitestgehend angekommen. Beispielsweise die Stadt Lüchow hat eine eigene Facebook-Seite, wo sie über aktuelle Ereignisse aus der Region berichtet. Das Stadtmarketing veranstaltet jedes Jahr ein Stadtfest und auch Shopping-Nächte gibt es.

Screenshot: FB-Seite Stadtmarketing Lüchow (Wendland)
Und auch die Samtgemeinde Gartow ist in den sozialen Medien schon angekommen.

Screenshot: FB-Seite Zwischen Elbe, Seege & den Gartower Tannen
Und wie sieht es in der Samtgemeinde Elbtalaue aus? Dort hat lediglich die Werbegemeinschaft Dannenberg eine Facebook-Seite, die ab und zu über Veranstaltungen informiert. Die Samtgemeinde ist in den sozialen Medien nicht vertreten.

Screenshot: FB-Seite Werbegemeinschaft Dannenberg e.V.
Da ich aus Dannenberg komme, möchte ich meinen Blick in Sachen Marketing natürlich vor allem dorthin richten. Das Marketing der Samtgemeinde nennt sich ALMA e.V. – der Slogan steht für die Abkürzung „Alle machen Marketing“. Gut, über den Namen kann man sich streiten. Aber was macht der Marketingverein? Besonders hervorgehoben wird die jedes Jahr stattfindende City-Offensive. Schon oft ist die Samtgemeinde dort als einer der Gewinner hervorgegangen. Aber muss man es dabei belassen und den Rest des Jahres in Sachen Marketing nichts machen?

Schon am Ortseingang von Dannenberg wird man nett begrüßt.

Herzlich Willkommen!

in Ihrer Einkaufsstadt Dannenberg (Elbe)

Joa, der Rahmen sieht nett aus. Aber was dort in der Mitte geschrieben steht. Einkaufsstadt? Dannenberg? Stimmt, in Dannenberg gibt es REWE, EDEKA, ALDI, LIDL und vieles mehr. Einkaufen kann man da super. Aber bei Einkaufsstadt denken Außenstehende vermutlich zuerst daran, dass man in Dannenberg richtig gut shoppen kann. Wer seine Auswahl da auf KiK und Ernsting’s family beschränkt, ist hier super bedient. Wer jetzt auch an lokale Geschäfte denkt, muss des Öfteren mal tiefer in die Tasche greifen (Ausnahmen vorhanden).

Man muss sich aber zunächst einmal die Frage stellen: Muss eine Stadt sich durch Einkaufen hervorheben? Ich finde nicht! Es gibt tausend mal bessere Dinge die vor -stadt stehen könnten (und bitte eine andere Schriftart…). Jeetzelstadt wäre z.B. eine geeignete Bezeichnung. Oder einfach andere Regionen miteinbeziehen. Willkommen in Dannenberg – der Stadt zwischen Elbetal und Wendland würde vermutlich auch nicht schlecht klingen. Einfach das, wodurch sich die Region hervorhebt.

Und auch das Stadt-Land-Fluss-Logo (unten und oben rechts auf dem Schild zu sehen) könnte man öfter verwenden, um auf Veranstaltungen wie Weihnachtsmarkt oder Schützenfest am Ortseingang aufmerksam zu machen. Und vielleicht ein bisschen professioneller als die selbstgebastelten Schilder.

Aber kommen wir doch nochmal auf die „Einkaufsstadt“ zurück? Der Leerstand in der Innenstadt wird seit Jahren vehement bekämpt, zumindest wird es versucht. Denn was würde ein Unternehmen dazu bewegen, sich in der Stadt anzusiedeln?

Ein bisschen abseits der Innenstadt sollte vor ein paar Jahren das Elbtalcenter am Gotenweg (direkt an der B 216) entstehen. Dort sollten neue Filialen von EDEKA und C&A sowie der Drogeriekette DM eröffnet werden. Die Händler der Innenstadt waren strikt dagegen. Schließlich könnten sie dadurch Kunden verlieren. Das Ganze wurde bis heute nicht verwirklicht. Aber witzigerweise soll jetzt auf der anderen Straßenseite (auch an der B 216) genau das Gleiche entstehen. Sachen gibt’s…

Marketing ist, das merkt man immer wieder, nicht nur dazu da, um Touristen anzulocken und Einwohner für sich zu gewinnen, sondern auch, um diese auch zu behalten. Denn durch Marketing kommuniziert man auch mit den Bürgern und kann gewisse Vorhaben dem Bürger gegenüber verständlich machen.

Also JA! – Städte und Gemeinden brauchen Marketing. Da muss ich meinem ehemaligen Dozenten Recht geben. Nebenbei sei erwähnt, dass er im Moment Geschäftsführer der Lüneburger Marketing GmbH ist – dort klappt das Stadtmarketing übrigens sehr gut!


 

Titelbild: Wikipedia-Seite über Dannenberg (Elbe)

Sind Güter denn auch gut?

Etwas länger als einen Monat ist mein letzter Blogeintrag nun schon her. Zwar hab ich im Moment noch Semesterferien, allerdings hab ich zwischendurch noch ein Praktikum gemacht, sodass ich nicht die Zeit hatte hier noch einen lesbaren Text zu schreiben. Dafür kann ich mir nun aber die Zeit nehmen.

Nunja, ein vielfach diskutiertes Thema in Lüchow-Dannenberg ist die angedachte Bahntrasse für den Schienenverkehr durch den Nordkreis. Dem Thema will ich mich heute mal näher widmen. Für die, die noch nicht mitbekommen haben, worum es geht, hier eine kurze Zusammenfassung.


Seit Anfang diesen Jahres ist in der Diskussion, ob in Wittenberge ein neuer Knotenpunkt für Güterverkehr entstehen soll, um den Güterabtransport aus den beiden Nordseehäfen über die beiden Knotenpunkte Hamburg-Harburg und Bremen zu verringern. Weiterhin soll in dem Ort in der brandenburgischen Prignitz ein neuer Rangierbahnhof gebaut werden, um die bereits existierenden in Maschen und Lehrte zu entlasten. Die dorthin entstehende Bahnstrecke soll über Buchholz – Lüneburg – Hitzacker – Dannenberg – Dömitz führen.

Das führt natürlich erstmal zu Verwunderung. Was? Wie? Güterverkehr durch Lüchow-Dannenberg?

Quelle: merkur-online.de

Zwar wurde diese Nachricht von vielen Wendländern, sofern sie diese überhaupt ernst nahmen, überwiegend positiv aufgenommen. Jedoch rief sie auch viele Kritiker auf den Plan. Unabhängig davon wie wahrscheinlich das Ganze ist, sollte man es wohl erstmal objektiv betrachten und sich die Vor- und Nachteile anschauen.

Natürlich würde eine solche neue Bahntrasse infrastrukturell gesehen dem Landkreis erhebliche Vorteile bringen.

  • Neue Unternehmen, welche den Güterverkehr auf der Schiene dann nutzen könnten, würden sich ansiedeln.
  • Der Güterverkehr auf der Straße würde abnehmen.
  • Der Personenverkehr würde ebenfalls ausgebaut werden (z.B. zweigleisiger Ausbau der Strecke Lüneburg-Dannenberg) und es wäre wieder möglich, vom Wendland aus mit der Bahn nach Berlin zu reisen.

20130819_154217

Genauso gibt es aber diverse Gründe, die gegen den ganzen Spaß sprechen.

  • Die als Horrorszenario progonstizierten 220 Güterzüge lassen das ruhige Leben im Wendland deutlich schwerer erscheinen.
  • Es gibt schon bestehende Strecken, die kürzer sind und auch nicht so aufwendig ausgebaut werden müssten.
  • Diverse Naturschutzgebiete würden von der Trasse durchquert werden.
  • Die Dömitzer Eisenbahnbrücke müsste zunächst wieder instandgesetzt werden.

Warum also sollte man das Projekt befürworten? Zumal die genannten Nachteile die Frage aufwerfen, wie wahrscheinlich es ist, dass diese Trasse überhaupt realisiert wird.

Natürlich wäre es wünschenswert, wenn der Landkreis wieder eine bessere Verkehrsanbindung hätte, dementsprechend die LKWs von der Straße vertrieben und die Güter auf der Schiene transportiert werden. Doch wieviele Unternehmen würden das in Anspruch nehmen? Beispielsweise die vielen Laster, die durchs Wendland brettern, nur um die Autobahnmaut zu sparen, würden dies wohl auch auch weiterhin tun. Und auch nicht jede Ladung, die per LKW transportiert wird, kann automatisch auch auf dem Güterzug von A nach B gebracht werden.

Auch Anwohner, die Eigenheim an der Strecke besitzen, fürchten nun um Ihre Häuser. Wenn der Trassen(alp?)traum Realität werden sollte, hat man nicht nur den Krach vor der Haustür – die Gebäude würden demzufolge auch an Wert verlieren. Jedoch müsste man unabhängig von der Güterstrecken-Diskussion wohl auch weiterdenken und damit rechnen, dass dort, wo mal eine Bahnstrecke war, vielleicht auch irgendwann mal wieder eine sein wird. Gar nicht mal eine Güterstrecke mit erschreckenden 220 Zügen pro Tag (diese Zahl sei mal so dahingestellt), sondern vor allem Personenverkehr. Diesem ist vermutlich keiner so richtig abgeneigt, aber vor der Haustür will das natürlich keiner haben. In so einer Situation ist es aber enorm wichtig, miteinander zu sprechen und nicht sofort abzublocken nach dem Motto „Nö, find ich scheiße!“ Denn es wäre nicht das erste Mal, dass eine Trassenführung zugunsten der Anwohner geändert wird.

Quelle: taz.de

Ein weiteres Argument gegen die Trasse bringt die Bürgerinitiative (BI) Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V. hervor. Gorleben als Standort für ein Atommüll-Endager wäre bei Durchsetzung des Gütertrassen-Plans bestens angebunden und somit komischerweise perfekt geeignet für so ein Endlager. Es wäre bis zum Verladekran in Dannenberg optimal an den Hamburger Hafen angebunden und auch Transporte aus dem Zwischenlager in Lubmin (bei Greifswald) wären über Wittenberge und Dannenberg problemlos möglich. Demonstranten könnten bei künftigen Castor-Transporten deutlich besser von den Gleisen ferngehalten werden, da auf der Güterstrecke ja Lärmschutzwände errichtet werden müssen. Somit müssen auch nicht so viele Polizisten die Gleise bewachen. Das spart Personalkosten! Spitze, oder?

Diese Ersparnisse können für die Sanierung der Eisenbahnbrücke bei Dömitz genutzt werden. Denn diese wäre mitunter einer der größten Kostenpunkte des ganzen Spektakels. Da sie eh unter Denkmalschutz steht, stellt sich die Ertüchtigung noch einmal schwieriger dar, zumal sie definitiv nicht mehr den heutigen Standards entsprechen dürfte (zumindest der Teil, der noch steht).

Ich seh das Ganze als gar nicht mal so realistisch an. Bevor eine Gütertrasse durch Lüchow-Dannenberg führt, würde schon im Voraus im Planungsverfahren Schluss sein. Denn nicht nur das Wendland wäre negativ betroffen. Auch die Nordheide um Buchholz und Jesteburg ist strikt gegen diese Trasse. Also nehmen wir mal an, der Plan sollte Wirklichkeit werden, würde die Trasse an sämtlichen Klagen von Anwohnern scheitern.

Quelle: drehscheibe-online.de

Meiner Meinung nach, ist es an sich natürlich eine gute Idee Güterverkehr auf die Schiene zu bringen. Aber zu welchem Preis? Man sieht an der Diskussion über die sogenannte Y-Trasse, dass zum Teil drastische Einschnitte in die Natur nötig sind. Darüber hinaus würden (wie bei allen Großprojekten in Deutschland) die Kosten explodieren.

Komplett abgeneigt gegenüber diesem Projekt bin ich nicht, aber es sollte ein nachvollziehbares, nachhaltiges und finanzierbares Konzept bestehen. Und bis das alles dann geplant und gebaut ist, wird es das Wendland in der heutigen Form wohl eh nicht mehr geben (Ja, das Thema Kreisfusion wird uns ewig beschäftigen!).


Nun interessiert mich aber auch eure Meinung!


Titelbild: metropolregion.hamburg.de

Stell dich quer!

Eigentlich sollte dieser Blog unpolitisch sein, aber hier mach ich mal ne Ausnahme. Heute will ich das Thema Gorleben und sein Atommüll-Zwischenlager näher beleuchten.

So. Und es gibt drei Gründe, warum ich diesen Beitrag hier nun erstellt habe.

  1. Ich hab schon über zwei Wochen hier nichts mehr geschrieben.
  2. Ich habe schon oft mitbekommen, dass manche über das Thema noch nicht so recht Bescheid wissen.
  3. Ich will mir heute Nacht mal die Verleihung der Oscars reinziehen und muss mich jetzt irgendwie wachhalten! :D

Was ist denn überhaupt in Gorleben?

Das Atommülllager Gorleben besteht aus der Halle, in dem die Atommüll-Behälter (auch Castor-Behälter genannt) stehen, welche aus dem französischen La Hague kommen und auf ihre Endlagerung warten und aus dem Salzstock, der derzeit auf seine Eignung als Endlager untersucht wird. Befinden tut sich das Ganze etwas südlich vom Ort Gorleben.

Wie alles begann…

Um mal eine kleine Übersicht der ganzen Ereignisse und deren Entwicklung zu bekommen, hier eine kleine Chronik.

Alles begann am 22.02.1977. Niedersachsens damaliger Ministerpräsident Ernst Albrecht (CDU) verkündet, dass Gorleben als Standort für ein „Nukleares Entsorgungszentrum“ ausgewählt wurde.

Quelle: ndr.de

 

Dem Ganzen voraus ging eine ausführliche Suche nach einem geeigneten Standort. Es wurden überwiegend Orte in Niedersachsen untersucht, aber auch Schleswig-Holstein, Hessen, Rheinland-Pfalz, Bayern und Baden-Württemberg waren mit am Start. Alle Orte aus diesen Bundesländern standen zur Auswahl auf ihre Eignung als Atommülllager geprüft zu werden. Gorleben stand allerdings bis dahin nicht in der Liste dieser Orte. Erst später wurde er handschriftlich (!) hinzugefügt. Viele Experten warnten vor Gorleben. Der Kieler Geologe Klaus Duphorn z.B. argumentierte damit, dass der Salzstock den Strahlenmüll womöglich nicht dauerhaft abschirmen würde. Ein weiteres Problem war bzw. ist, dass Wasser in den Salzstock sickern kann und so absaufen kann, wie es beim Atommülllager Asse der Fall war.

Doch es macht den Anschein, dass dies Herrn Albrecht egal war.

Dass es den Bürgerinnen und Bürgern nicht egal ist, hat er recht schnell zu spüren bekommen. Im März 1979 zogen Atomkraftgegner aus dem Wendland mit 500 Traktoren nach Hannover, wo mit 100.000 Besuchern eine der größten Protestveranstaltungen in der Geschichte der Bundesrepublik stattfand.

Es wurde also angefangen, fleißig zu erkunden, vorerst nur oberirdisch. Während vorher auch noch von einer Wiederaufbereitungsanlage für radioaktive Stoffe im Dragahner Forst die Rede war, konzentrierte sich die Landesregierung ab Mai 1979 nur noch auf den Salzstock als Endlager. Für die Wiederaufbereitungsanlage seien, so Albrecht, die politischen Voraussetzungen zur damaligen Zeit nicht gegeben gewesen.

Am 03.05.1980 wurde letztendlich die Republik Freies Wendland ausgerufen, an einem besonderen Ort – der Bohrstelle 1004 bei Gorleben. Hier bekam man sogar einen Pass, den sogenannten Wendenpass.

Quelle: wendland-archiv.de

Die Republik Freies Wendland wurde einen knappen Monat später vom Bundesgrenzschutz (heute Bundespolizei) geräumt.

Der Atomwirtschaft geht der ganze Spaß mit der Erkundung nicht schnell genug, sie will ein Zwischenlager! Und so wurde am 22.01.1982 mit dem Bau des Zwischenlagers begonnen.

Nachdem im April 1984 bereits der erste Transport mit leicht radioaktiven Abfall dorthin stattfand, kam nun am 25.04.1995 zum ersten Mal auch hochradioaktiver Atommüll nach Gorleben – der sogenannte Tag X war gekommen! Dieser bringt natürlich massives Demonstrationsaufgebot mit sich.

Quelle: contratom.de

Eine der heftigsten Eskalationen der Castor-Geschichte fand bei einem der Transporte im März 1997 statt. In Splietau, einem Ortsteil von Dannenberg, fand eine Straßenblockade statt, in die auch Trecker von demonstrierenden Landwirten involviert waren. Da diese Straße aber zu einer der Routen gehört, die die Castoren vom Verladekran bei Dannenberg bis ins Zwischenlager nach Gorleben auf der Straße zurücklegen, war diese Blockade, vor allem die Trecker, der Polizei ein Dorn im Auge. Sie ging davon aus, dass die Teilnehmer der Demonstration ihre Trecker, wenn es nötig erscheint, schnell aus der Demonstration lösen und zu einem anderen Punkt der Route fahren. Also hat sich die Polizei überlegt, dass es am Besten wäre, die Trecker einfach fahruntüchtig zu machen. Sie stochen die Reifen durch, kniffen Reifenventile mit Bolzenschneidern ab und zerschnitten Zündkabel. Rund 17.000 DM Schadensersatz forderten die Landwirte daraufhin.

Quelle: markusgolletz.de

2000 trat unter der rot-grünen Bundesregierung ein zehnjähriges Moratorium in Kraft. Bis 2010 wurde in Gorleben aufgehört zu erkunden um erstmal grundsätzliche Fragen, was die Endlagerung von hochradioaktivem Abfall betrifft, zu klären. Naja und nun soll das oft diskutierte Endlagersuchgesetz Abhilfe schaffen und eine neue transparentere Suche voranbringen.

Im Laufe der Castor-Transporte haben sich schon einige Traditionen entwickelt. So gehört die Sitzblockade auf den Gleisen bei Harlingen zum Castor genauso dazu wie die Auftaktdemo mit mehreren Tausend Besuchern. Zurückblickend ist es sehr interessant, wie sich der Widerstand gegen die Transporte entwickelt hat. So haben z.B. beim bisher letzten Transport 2011 vor allem die sozialen Medien das Ereignis geprägt. Über Facebook oder Twitter wurden schnell spontante Blockaden organisiert bzw. wurde dort erfolgreich auf diese aufmerksam gemacht.

„Aber irgendwo muss der Atommüll doch hin…“

Natürlich macht es im Rest von Deutschland oft den Eindruck, als ob wir im Wendland gegen die Castor-Transporte demonstrieren, da wir nicht wollen, dass hier ein Endlager entsteht, weil es unsere Heimat ist. Natürlich geht es auch darum, niemand will ein Atommüll-Endlager vor seiner Haustür haben…

Aber im Kern geht es vor allem darum, dass der Salzstock Gorleben für die Endlagerung nicht geeignet ist. Das haben viele Experten schon mehrfach (auch schon vor der Auswahl Gorlebens) hervorgehoben. Jedoch wurde dies seitens der Politiker auch mehrfach ignoriert. Wie sture kleine Kinder haben sie an ihrem Vorhaben bis heute festgehalten.

Dass die Auswahl damals nicht nach geologischen Gesichtspunkten stattfand, dürfte kein Geheimnis sein. Es war eine rein politische Auswahl, da Gorleben unmittelbar in der Nähe zur innerdeutschen Grenze lag.

Und dass Gaseinschlüsse und das Eindringen von  Wasser in den Salzstock festgestellt wurde, hat Union und FDP auch noch nicht umgestimmt.

Ich bin der Meinung, dass das Suchverfahren für das Endlager noch eine Ewigkeit dauern wird. Und genau so lange werden die Castor-Behälter in der Kartoffelscheune (Achtung: Ironie) vor sich hindümpeln.

Wer Lust hat, kann sich mal die folgenden Seiten zu Gemüte führen, welche wissenschaftlich (aber verständlich) die bisherige Entwicklung beschreiben:

http://www.youtube.com/watch?v=7GaJVBdlu-Y

http://www.gorleben-archiv.de

http://www.ndr.de/kultur/geschichte/schauplaetze/gorlebenchronik2_page-2.html

Das war’s zu diesem Thema von meiner Seite, die Oscar-Verleihung ist mittlerweile zuende, es ist 06:28 Uhr und ich geh jetzt ins Bett. Gute Nacht!

FAKTEN FAKTEN FAKTEN

Heute mal 10 Fakten über das Wendland, die ihr eventuell noch nicht kanntet!

1. Gottlieb Planck, Onkel von Max Planck (Namensgeber des Max-Planck-Instituts), war von 1855-1859 am Obergericht Dannenberg (heutiges Amtsgericht) tätig. Er hat u.a. auch das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) mitverfasst.

2. Der Ort Liepehöfen war bis zu seiner Eingemeindung in die Stadt Dannenberg (Elbe) 1972 mit drei Einwohnern die kleinste Gemeinde Deutschlands.

3. Die bis zur Wiedervereinigung bestehende Grenze zur DDR war im Gebiet des Landkreises 144 km lang.

4. Die Welttorhüterin 2014 Almuth Schult kommt aus Lomitz, einem Ortsteil von Prezelle.

Quelle: http://www.vfl-wolfsburg.de

5. Claus von Amsberg, Vater vom König der Niederlande Willem-Alexander und Ehemann von Prinzessin Beatrix, kommt gebürtig aus Hitzacker. 2014 wurde zu seinen Ehren die Prinz-Claus-Promenade in seiner Geburtsstadt eröffnet.

6. Schnackenburg an der Elbe ist die kleinste Gemeinde mit Stadtrecht Niedersachsens und die nach Einwohnern viertkleinste Stadt Deutschlands.

Quelle: Torsten Bätge (Wikipedia)

7. Der Landkreis Lüchow-Dannenberg ist mit aktuell 48.670 Einwohnern (Stand: 31.12.2013) der nach Einwohnern kleinste Landkreis Deutschlands. (Ok, das dürfte den meisten wohl schon bekannt gewesen sein…)

8.  Im archäologischen Zentrum Hitzacker, Deutschlands erstem bronzezeitlichem Freilichtmuseum, sind standesamtliche Trauungen möglich.

9. Die Göhrde ist das größte zusammenhängende Mischwaldgebiet Norddeutschlands.

10. Es gibt ein Lüchow-Dannenberg-Syndrom.


Schaut auch mal auf dem neuen Menüpunkt Wendland-Wegweiser vorbei!

Aus der Pflicht wurde das Hobby…

Wie ich hier schon öfters mal erwähnt habe, ist dieser Blog entstanden, weil ich ihn für mein Studium erstellen musste. Das Thema war frei wählbar. Anfangs dachte ich tatsächlich, dass das ganz schön öde ist und ich wusste überhaupt nicht über was ich denn schreiben soll. Aber mit der Zeit fiel es immer leichte geeignete Themen zu finden und ich fand Gefallen an der Sache.

In der Hochschule haben jetzt so gut wie alle (auch ich) ihre Blogs vorgestellt und auch die in einem der letzten Beiträge genannten Pflicht-Beiträge (Bild, Audio und Video) sind bereits online. Die Note für den ganzen Spaß hier wird mir mein Dozent dann bis Semesterende mitteilen. Ich könnte mich jetzt also verabschieden und den Blog offline nehmen…

Mach ich aber nicht!

In der letzten Zeit hab ich viel Lob und Zuspruch von einigen Seiten bekommen und hab mir dabei dann gedacht, dass da wohl auch was dran sein muss. Tatsächlich wurde für mich die Pflicht zum Hobby. Um nicht über meine private Facebook-Seite über jeden neuen Beitrag zu informieren, habe ich mir mal so eine offizielle Facebook-Seite erstellt, welche mittlerweile sogar nach nur einer Woche über 500 „Gefällt mir“-Angaben (oder einfach Likes) bekommen hat. Wahnsinn!

An dieser Stelle muss ich einmal allen danken, die meine Beiträge hier so regelmäßig verfolgen und denen, die es noch tun werden :) und vor allem möchte ich denen danken, die mich mit diversen Bildern oder auch Interviews bisher unterstützten und dies auch weiterhin tun!

Bis demnächst!

Ab nach Breese!

So, nachdem ich vor einigen Tagen den Audio-Beitrag für meinen Blog hochgeladen habe, kommt nun auch der studiumsbedingte Video-Beitrag. Einfallslos hoch 10, aber besser als gar nichts. So seht ihr nun eine wilde Autofahrt entlang der B191 in Richtung Breese in der Marsch-City! Viel Spaß dabei ;)